Feet-Control

ein Schritt voraus ...

Home | Über uns | Sensomotorik | Produkte | Seminare | Kontakt/Impressum |
Das Geheimnis der Sensomotorik
Behandlungsmöglichkeiten durch den Physiotherapeut
Aktio = Reaktio
Seminartermine
Seminartermine 2019

Hier finden Sie die Footpower Seminartermine für das Jahr 2019 als Download:

Seminare_2019.pdf

Aktio = Reaktio


Eine naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeit findet Anwendung in der orthopädieschuhtechnischen Versorgung mit sensomotorischen Einlagen nach Jahrling

Im Folgenden soll die Anwendung eines systemischen Ansatzes auf die Analyse von Haltungs- und Bewegungsmustern erläutert werden, die für die orthopädieschuhtechnische Versorgung mit sensomotorischen Einlagen als sinnvoll erachtet wird.
Der Bericht soll nicht dazu dienen, den Erfolg anderer Vorgehensweisen in der Einlagenversorgung zu schmälern.
Einsteins Relativitätstheorie verneinte nicht die Newton`schen Axiome, sie stellte sie vielmehr in einen größeren Zusammenhang. Auf ähnliche Weise eliminiert die Theorie der "Beeinflussung sensomotorischer Fähigkeiten durch Einlagenversorgung n.J." nicht den Wert der vielen möglichen Versorgungs- und Analysemethoden, dennoch stellt sie sie in den Kontext des Bewegungssystems als Ganzem.

Entwicklungsgeschichte
Entwickelt wurde die sensomotorische Einlage 1991 von Lothar Jahrling, basierend auf der Versorgung von spastisch gelähmten Patienten. Ausschlaggebend für ihre handwerkliche Entstehung war die Unzufriedenheit von Therapeuten mit den damals gängigen Orthesen- und Einlagenversorgungen. Therapeutische Erfolge, die sich während und nach einer Behandlung einstellten, konnten durch o.a. Hilfsmittelversorgungen nicht unterstützt werden. Schwerwiegender noch, sie standen der Therapie kontraproduktiv entgegen. Ergebnisse von funktionellen Therapiemethoden wie z.B. PNF (Propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation), bei denen u.a. ein physiologisches Gangbild angebahnt wird, konnten durch die orthopädieschuhtechnische Versorgung nicht gehalten werden.

Der auf den Abbildungen zu sehende Patient wurde mit Innenschuhen "fixiert", um ihn aus der Spitzfußstellung zu korrigieren. In der Behandlung zeigt er jedoch sehr wohl funktionelle Bestandteile eines physiologischen Gangbildes. Aus dieser Startposition arbeitet der Patient aktiv und gegen Widerstand in die "Schwungphase". Gut zu erkennen ist, dass der Patient sehr wohl aus seiner Spitzfußhaltung aktiv in der Lage ist in die Dorsalextension zu arbeiten. Wird er anschließend in einem Innenschuh fixiert, verliert er jegliches sensomotorisches Feedback, resultierend aus der Bewegungsstarre der kleinen und großen Fußgelenke. Er wird die fehlende Bewegung des Fußes in den weiterleitenden Gelenken (Knie, Hüfte ISG, LWS, usw.) kompensieren müssen.

Therapeutischer Leitsatz: Das Ziel aller physiotherapeutischen Maßnahmen ist es, die abnorme Steuerung des Muskeltonus und der Koordination zu beeinflussen, dem Patienten normale Haltungs- und Bewegungsmuster zu ermöglichen und ihm die Chance zu geben sie sensomotorisch zu erlernen. Gemäß dieses Leitsatzes ist es nur allzu verständlich, dass die Therapeuten Kritk an den damaligen Hilfsmitteln äußerten. Denn in einer statischen Versorgung lässt sich kein Bewegungsmuster sensomotorisch erlernen.
Allein hieraus lässt sich ableiten, dass ein "gesunder" Dialog zwischen Arzt, Techniker und Therapeut nur von Vorteil für den Patienten auf seinem guten Weg, eine optimale Versorgung zu erlangen, sein kann. Eine enge Zusammenarbeit der Berufsgruppen wird sich auch kostenreduzierend auf unser Gesundheitswesen auswirken, denn nichts ist teurer als eine Fehlversorgung.

Durch ein gezielten Setzen von Reizen als "Aktio", dem menschlichen Körper physiologische Stützmotorik und Zielmotorik als "Reaktio" abzuerlangen, ist ein Hauptziel in der Versorgung mit sensomotorischen Einlagen nach Jahrling. (Es werden 2 Funktionsbereiche unterschieden, die sich gegeseitig beeinflussen und sich ergänzen: die sog. Haltungs- oder Stützmotorik gewährleistet die aufrechte Haltung des Körpers, entgegen der Schwerkraft. Die sog. Zielmotorik steht für die Steuerung aller Bewegungen.)
Hierzu ist unter Anderem das Wissen über die neuromuskuläre Zusammenhänge unseres Körpers eine unabdingbare Voraussetzung, um eine funktionelle Versorgung zu gewährleisten.

Der ausführliche Befund als erster Schritt zur Einlagen-Versorgung
Wir befinden uns in einer Zeit, in der die Anerkennung einer Versorgungstechnik nicht primär vom ersichtlichen und reproduzierbaren Erfolg am Patienten abhängig ist, sondern vielmehr von wissenschaftlichen Studien, die mikroskopisch genaue Messdaten liefern. Was nach unserer Meinung nicht immer unberechtigt erscheint.

Um so wichtiger erachten wir es, dass der Techniker ein umfassendes Wissen über den menschlich skelettalen und neuromuskulären Aufbau, zumindest über den Fuß, besitzt. Diese Kenntnis reicht jedoch nicht aus, wenn in der Versorgung biodynamische und biomechanische Einflussnahme, aus Fußfehlstellungen, in den Fuß- und weiterleitenden Gelenken korrigiert werden soll. Also den Fuß nicht als isoliert zu versorgend betrachten, sondern vielmehr die Zusammenhänge einer Fußfehlstellung auf die Körperstatik und die Körperdynamik im Gesamten zu erkennen. Hierzu macht sich die Wissenschaft das Modell der in der Einleitung beschriebenen mikroskopischen Linse zunutze und zerlegt den Körper in seine funktionellen Bausteine. Dies dient nicht nur den Wissenschaftlern als Erklärungsmosaik, um körpereigene Reaktionen auf die Versorgung zu analysieren, sondern auch dem Techniker bei der praktischen Umsetzung am Patienten.

W. Potthast und G.P. Brüggemann erläutern in Ihrer Veröffentlichung "Wirkung von Schuhzurichtungen und Einlagen auf die Kinematik (gr. Bewegung) und Kinetik ( gr. Einwirkung von Kräften) des Bewegungsapparates", dass es durchaus Sinn macht, den Fuß nicht modellhaft als starren Körper zu betrachten. Ihn als mehrgliedriges System abzubilden, wie z.B. von Arampatzis et al. (2002) vorgeschlagen (er zerlegte den Fuß in ein 7 Segmente umfassendes Mehrkörpermodell), könnten weitaus wertvollere Informationen über Fußfehlformen, Belastungen und den Erfolg von Versorgungen mit Einlagen liefern.
Folglich macht es Sinn den Fuß in seiner Struktur und Funktion genau zu kennen. Das bedeutet auch zu wissen, dass z.B. eine Pronationsbewegung nicht alleine im unteren Sprunggelenk erfolgt und dass an dieser Bewegung eine Vielzahl an Muskeln, Knochen und Gelenken beteiligt sind. Ergo muss eine Pronationseinschränkung nicht zwingend eine Beweglichkeitsreduktion im unteren Sprunggelenk als Ursache haben.

Ein funktioneller Befund, wie ihn Lothar Jahrling aus vielen Methoden kombiniert hat, gibt dem Techniker eine begreifbare Hilfestellung. In den Seminaren von Footpower® werden diese Erkenntnisse in theoretischen Unterrichtseinheiten eingehend erläutert und praktisch am Patienten umgesetzt.

Wichtiger Bestandteil der Seminare ist die Vermittlung fachlicher Inhalte über die passgenaue, patientenspezifische/kundenspezifische Bearbeitung unserer Einlagen um eine erfolgsorientierte Versorgung zu erlernen. Aus der kurzen Einleitung ist ersichtlich, dass ein solches Wissen nicht an einem Tag vermittelt werden kann. Techniker, die sich vorgenommen haben, sensomotorische Versorgungen in ihr Geschäftsprogramm mit aufzunehmen, können zwischen verschiedenen Modulen wählen um einen ersten Einblick in die Versorgung mit sensomotorischen Einlagen zu erlangen oder um zum Spezialisten ausgebildet zu werden.

Ich empfehle allen das Footpower® Basis-Seminar als ersten Einstieg.

Bernd Rockenfeller